Chat GPT ist in aller Munde – und bald in vielen, wenn nicht gar allen Texten? Ist das gar das Ende für uns Schreibtrainerinnen, wenn von nun an alle ihre Texte von einer künstlichen Intelligenz schreiben lassen können?
Höchste Zeit für einen Newsletter zu Chat GPT – dieser Künstlichen Intelligenz (KI), die, wie es aussieht unser Leben noch gehörig auf den Kopf stellen wird. Verstehen Sie diesen Beitrag als Momentaufnahme – denn wir stehen wahrscheinlich noch ziemlich am Anfang der Entwicklung von KI.
Ganz kurz: Was ist Chat GPT überhaupt?
Chat GPT steht für Generative Pre-trained Transformer und ist ein Chatbot, der – mit den richtigen Begriffen losgeschickt – selbständig Texte erzeugt. Dabei greift die KI auf das gesamte Internet als Wissensbasis zurück (zumindest auf das, was sich bis zum September 2021 im Internet fand).
Und nun, lassen wir Chat GPT doch einmal selbst zu Wort kommen. Dann brauche ich, Franziska, mir nicht so viele Gedanken zu machen. Ich gebe also in die Suchleiste ein: „Hey, Chat GPT, beschreibe bitte mal die Vor- und Nachteile von Chat GPT beim Schreiben.“ Auf das „bitte“ legt die KI übrigens keinen Wert, aber ich kann einfach nicht anders. 🙂
Hier die Antwort (kursiv) – mit meinen Kommentaren (fett) jeweils darunter:
Vorteile von Chat GPT beim Schreiben:
1. Schnelligkeit: Chat GPT kann schnell schreiben, da es auf eine große Menge an Texten trainiert wurde und dadurch eine hohe Schreibgeschwindigkeit erreichen kann.
Kann ich bestätigen. Den gesamten kursiv gesetzten Text zu produzieren, hat weniger als eine Minute gedauert, wow!
2. Flexibilität: Chat GPT kann eine Vielzahl von Themen behandeln und sich an verschiedene Schreibstile und -anforderungen anpassen. Dadurch eignet es sich gut für eine breite Palette von Anwendungsfällen.
Die breite Themenpalette ist unbestreitbar. Verschiedene Schreibstile – das muss ich noch ausprobieren. Bisher waren alle Texte, die ich von Chat GPT gelesen habe, äußerst sachlich und nüchtern formuliert, mit mittellangen bis sehr langen Sätzen und viel trockenem Nominalstil.
3. Konsistenz: Chat GPT kann konsistenten Schreibstil und Grammatik beibehalten, unabhängig davon, wie lange das Schreibprojekt dauert. Es kann auch bei der Vermeidung von Wiederholungen und anderen Fehler helfen.
Das glaube ich sofort. KI ist eben nicht so wankelmütig und zerstreut wie wir Menschen. Apropos Fehler: „bei der Vermeidung von … anderen Fehler …“ – da fehlt doch ein N? Mein menschliches Lektorinnengehirn sagt mir: Da hat sich doch ein Fehler eingeschlichen! Okay, ich kann mich also nicht hundertprozentig auf korrekte Grammatik oder Rechtschreibung verlassen. Das überrascht mich allerdings. Merke: Die Texte müssen Korrektur gelesen werden.
4. Zeitersparnis: Chat GPT kann den Schreibprozess beschleunigen, indem es Textvorschläge liefert und den Schreibenden unterstützt, seine Gedanken schnell und effektiv zu formulieren.
Zeitersparnis: Yes! Und das ist eine gute Nachricht! Keine Angst mehr vor dem weißen Blatt! Ich habe sehr schnell Inhalt auf dem Papier, mit dem ich dann weiterarbeiten kann. Chat GPT bewahrt mich vor der Schreibhemmung und übernimmt das Sammeln von Material. Dieses strukturiert es im selben Zug schlüssig, also ohne durch Gedankensprünge oder Wiederholungen beim Lesen zu verwirren.
Also alles super für Sie? Und schlecht für uns? Oder anders gesagt: Müssen wir Schreibtrainerinnen uns einen neuen Job suchen?
Ich denke nicht. Denn Chat GPT kennt seine Grenzen ziemlich gut und beschreibt die eigenen Nachteile so:
Nachteile von Chat GPT beim Schreiben:
1. Fehler: Chat GPT ist nicht perfekt und kann gelegentlich Fehler machen, insbesondere wenn es mit ungewöhnlichen oder seltenen Schreibanforderungen konfrontiert wird. Daher müssen die vom System generierten Texte sorgfältig überprüft und ggf. korrigiert werden.
Hm, klingt irgendwie menschlich! Aber klar, wenn wir uns bewusst machen, wie Chat GPT arbeitet: Es sind Menschen, die die Fragestellung formulieren. Es sind Menschen, die „das Internet“ mit ihren Inhalten „füttern“ und auch zumüllen – und das ist die Quelle für die Textproduktion: viel wertvolles Wissen, aber auch eine Menge Halbwissen, pure Behauptungen und kalkulierte Desinformation.
Wir sind also verantwortlich dafür zu beurteilen, was von dem, was Chat GPT schreibt, stimmt und was nicht, und belastbare Belege dafür zu finden. Das kann uns die KI (noch) nicht abnehmen.
Der Eindruck, der zuerst entstehen mag, alles sei ganz easy und uns bleibe nur noch wenig zu tun, trügt. Denn wir müssen die Fakten und Behauptungen in den Texten selbst überprüfen – Aussage für Aussage. Ich frage mich: Sollen wir dann nicht lieber gleich selbst recherchieren? Oder: Ist Chat GPT hier eher nur eine Inspiration für die Recherche?
2. Mangelnde Originalität: Da Chat GPT auf einer großen Menge an Texten trainiert wird, besteht die Gefahr, dass die generierten Texte nicht besonders originell oder einzigartig sind. Dies kann dazu führen, dass der Text uninteressant oder zu ähnlich zu bereits vorhandenen Inhalten ist.
Das ist ein entscheidender Knackpunkt. Das Tool wird auf der einen Seite dazu führen, dass es noch viel mehr Texte als jetzt schon gibt.
Doch: Um aus dieser stets wachsenden Menge herauszustechen, sichtbar und relevant zu sein, braucht es mindestens genauso viel Mühe wie bisher. Texte, die nur wiederholen, was schon zigmal geschrieben wurde, schärfen das eigene Profil nicht. Weder als Mensch noch als Unternehmen hebt man sich damit von der Masse ab.
Wer mit Texten etwas Substanzielles zu seinem (Fach-)Thema beitragen will, wer sich von den Wettbewerbern abheben will, muss neue Verbindungen schaffen und frische Formulierungen nutzen.
Das eigene Denken nimmt uns die KI nicht ab, im Gegenteil!
3. Mangelnde Subtilität: Chat GPT kann Schwierigkeiten haben, subtile Bedeutungen und Nuancen in der Sprache zu erkennen, insbesondere wenn es sich um abstrakte Konzepte oder Stimmungen handelt. Daher kann es in einigen Fällen zu unpassenden oder missverständlichen Texten führen.
Ein Gefühl für die Nuancen von Sprache zu entwickeln, ist etwas, was wir ein Leben lang verfeinern und üben (können). Wenn hier von „Stimmungen“ die Rede ist, sind wir auf der Beziehungsebene der Kommunikation. Zwischen den Zeilen zu lesen, erfordert Fingerspitzengefühl und Wahrnehmung mit möglichst vielen Sinnen. Was für uns Menschen schon immer wieder herausfordernd ist, fällt dem Chat GPT umso schwerer, das glaube ich sofort. Denn er ist bisher nur auf der Sachebene unterwegs. Ich bin sehr gespannt, inwieweit er hier lernfähig ist.
4. Eingeschränkte Kreativität: Chat GPT kann zwar bei der effizienten Umsetzung von Schreibprojekten helfen, aber es kann auch dazu führen, dass der Schreibende seine eigene kreative Arbeit einschränkt. Es ist wichtig, dass der Schreibende das System als Werkzeug und nicht als Ersatz für seinen eigenen kreativen Prozess betrachtet.
Sehr gut gesagt, Chat GPT: Effizienz ist zwar wichtig im beruflichen Schreiben, aber höchstens die halbe Miete. Den eigenen Kopf sollten wir auf keinen Fall ausschalten.
Ich frage mich gerade: Bin ich in die Falle getappt, indem ich mir einfach die Struktur dieses Textes habe vorgeben lassen? Hätte ich vielleicht doch zunächst mal ein Cluster machen und selber kreativ meine Ideen für diesen Text sammeln sollen?
Oder anders gesagt: Erleichtert mir das Werkzeug Chat GPT das Schreiben wirklich – oder nur scheinbar, wenn ich einen originellen, gehaltvollen Text schreiben will?
Wir werden dies weiter ausprobieren, beobachten und immer mal wieder davon berichten. Zu gerne wüssten wir: Welche Erfahrungen machen Sie mit KI beim Schreiben? Teilen Sie dies gern mit uns – wir freuen uns auf Ihre Nachricht.
Ihre Daten behandeln wir streng vertraulich gemäß unserer Datenschutzerklärung.