← Zurück zum Blog

Corporate Bullshit kostet Unternehmen richtig Geld

Clarity driven Action liegt in unserer DNA. Wir setzen auf synergetische Führung und konsequentes Out-of-the-Box-Thinking, um unser Growth-Hacking-Paradigma zu leben.

Falls du jetzt gedacht hast „Was für ein Schwachsinn!“ Ja. Genau das ist es.

Oder besser gesagt: Es ist Corporate Bullshit. Pseudo-tiefgründige Aussagen, die bei näherer Betrachtung nichts oder kaum etwas aussagen.

Es könnte einfach nur nervig sein. Doch das ist es nicht: Corporate Bullshit kostet Unternehmen richtig Geld. Wir sagen dir gleich, warum.

Wichtig: Corporate Bullshit ist keine Corporate Voice oder eine Fachsprache

Corporate Bullshit ist nicht zu verwechseln mit einer eigenen Corporate Voice, also einer Unternehmenssprache, oder gar mit einer Fachsprache.

Eine eigene Unternehmenssprache legt die Tonalität fest, gibt Leitlinien vor, wie man intern und extern kommunizieren sollte.

Das Ziel einer Fachsprache ist es, möglichst präzise die Gegebenheiten zu beschreiben. Sie hat ihre eigenen Fachtermini und kann für Außenstehende schwierig zu verstehen sein, sie ist aber das Gegenteil von Corporate Bullshit. Im Gegensatz zur Fachsprache, die die Kommunikation unter Expertinnen und Experten oftmals vereinfacht, ist Corporate Bullshit eine vage, inhaltlsleere und verwirrende Aneinanderreihung von Schlagwörtern.

Angelehnt an die Definition von „Bullshit“ des Philosophen Harry Frankfurt ist Corporate Bullshit Unternehmenssprech, der dazu da ist, andere zu beeindrucken und von dem eigentlich niemand genau weiß, was es heißen soll (was aber niemand zugibt). Dabei interessiert es Bullshitter nicht, ob die Aussage wirklich sinnvoll ist.

Wer wolkige, leere Aussagen gut findet, ist schlechter im Job

In mehreren Studien, die neueste von Anfang 2026*, zeigt der Kognitionspsychologe Shane Littrell: Menschen, die sich von solch vagen, unklaren Aussagen beeindrucken lassen,

  • bullshitten sich selbst häufiger durchs Geschäftsleben,
  • sind schlechtere Führungskräfte (unter anderem, da ihr Team nicht genau weiß, was sie eigentlich meinen),
  • treffen schlechtere Geschäftsentscheidungen als Menschen, die sich weniger beeindrucken lassen.

All das führt zu Fehlern, Missverständnissen und, du ahnst es, unnötigen Kosten.

Doch es kommt noch schlimmer: Bullshitter halten andere Bullshitter nicht für Bullshitter, sondern – im Gegenteil – für kompetent und visionär. Und befördern sie nach oben.

Eine Kultur, in der Corporate BS geduldet oder gar gefördert wird, bringt also nach und nach Menschen in die Chefetagen, die sich gerne von vagen, wolkigen Aussagen beeindrucken lassen. Das potenziert die Kosten. 

Wer empfänglicher für Corporate Bullshit ist, denkt weniger kritisch

Littrell hat dafür eine Skala entwickelt, die zeigt, wie empfänglich man für Corporate Bullshit ist. Dazu ließ er mehr als 1000 Teilnehmende Aussagen bewerten, die eine KI per Zufall generierte. Vorher hatte er die KI mit echten Bullshit-Phrasen gefüttert, die sie nun sinnlos kombinierte.

Je besser die Probanden die willkürlich zusammengesetzten Phrasen bewerteten, umso höher landeten sie auf der Skala. Parallel dazu testete er die Fähigkeiten der Probanden, kritisch zu denken.

Das Ergebnis: Je höher die Empfänglichkeit für Corporate Bullshit war, umso geringer war jeweils die Fähigkeit zu kritischem und analytischem Denken und Reflektieren ausgeprägt.

Was allerdings Ursache und Wirkung ist, muss noch untersucht werden: Legt das Beeindrucktsein das kritische Denken lahm oder ist das weniger ausgeprägte kritische Denken der Grund, warum man stärker beeindruckt ist?

Corporate Bullshit: Wir alle sind in Gefahr, uns einlullen zu lassen

Aber Achtung: Es ist jetzt leicht zu denken, dass sich nur weniger intelligente Menschen von Corporate Bullshit einlullen lassen. Das stimmt nicht.

Litrell betont: Abhängig vom Kontext kann jede und jeder von uns durch beeindruckend klingende Sprache beeinflusst werden, etwas zu glauben und zu übernehmen.

Zwar ist geringes kritisches oder analytisches Denkvermögen sehr häufig mit einer höheren Empfänglichkeit für Bullshit verbunden. Aber es ist eben umgekehrt nicht so, dass, wer gut im kritischen Denken ist, nicht auch für Bullshit anfällig sein kann.

Wir alle glauben, wir wären gut darin, Bullshit zu entdecken. Sind wir aber nicht. Wir alle haben unsere blinden Flecken.

Gut klingende, abstrakte Botschaften sind nämlich so etwas wie eine Fliegenfalle für unser kritisches Denken. Wir bleiben daran kleben – und denken dann nicht mehr genauer darüber nach. (Das passiert vielen übrigens auch bei KI-generierten Texten.)

Besonders im Unternehmensumfeld gelten große, aber vage Aussagen oftmals als ein Zeichen von visionärem Denken, von Out-of-the-Box-Thinking (you know what I mean 😉.) So ist Corporate Bullshit häufig vor allem der Versuch, sich selbst in bestem Licht darzustellen und die anderen zu beeindrucken.

Gleichzeitig traut sich oft niemand, kritisch nachzufragen, was eigentlich gemeint ist. Aus Sorge, man könnte als inkompetent oder kleingeistig gelten. Zudem sind es häufig die Vorgesetzten, die eine Tendenz zu wolkigen, „visionären“ Aussagen haben und wer möchte schon aufdecken, dass auch die Vorgesetzten nicht genau wissen, wovon sie reden?

Was kannst du gegen Corporate Bullshit in deinem Unternehmen tun?

  • Macht einfache, verständliche Sprache zur Norm!

    Lobt es ausdrücklich, wenn jemand gerade komplexe Inhalte besonders klar beschreibt! Definiert alle Begriffe eindeutig und vermeidet und uneindeutige, wolkige Begriffe!

    Statt etwas nur abstrakt anzusprechen, sollten alle immer genau sagen, was sie damit konkret meinen. Also statt zu sagen oder zu schreiben „Wir werden ab kommendem Monat unseren Fokus auf unsere strategische Neuausrichtung legen“, lieber „Im Oktober werden wir entscheiden, welche Geschäftsbereiche wir in Zukunft stärker entwickeln und welche wir aufgeben wollen.“

    Etwas konkret zu formulieren, zwingt dich und alle anderen dazu, alles genau zu durchdenken. Denn es gibt keinen Nebel mehr, mit dem man verschleiern kann, dass man etwas selbst noch nicht genau weiß.

    Setzt euch als Regel: Es geht nicht darum, „smart“ zu klingen, sondern einen echten Beitrag zum Unternehmenserfolg zu leisten. Das geht am besten durch kritisches Denken und klare Aussagen.
  • Schafft eine offene Fragekultur:

    Ermutigt alle Beteiligten nachzufragen, wenn etwas unklar ist! Fragen sind ein Zeichen, dass jemand mitdenkt. Sie geben dem Sprecher oder der Autorin die Rückmeldung, dass er oder sie etwas einfacher und klarer ausdrücken sollte.Falls sich vernebelter Corporate Bullshit trotz allem hartnäckig hält, kann eine Anti-Schwafel-Tabelle helfen – mit Fragen, die es konkret zu beantworten gilt. Zum Beispiel:
    • Was läuft nicht gut?
    • Wo liegt das Problem genau?
    • Was genau soll sich ändern?
    • Welche Maßnahmen setzen wir bis wann konkret um?
    • Durch welche Zahlen können wir belegen, dass die Maßnahmen wirken?
    • … und was sonst noch für euer Unternehmen, Projekt relevant ist.
  • Zwinge dich, jede Aussage, die gut klingt, zu durchdenken!

    Fasse sie in einfachen Worten zusammen! Wenn die Aussage sich zwar intelligent anhört, du aber Probleme hast, sie in eine konkrete Aussage zu übersetzen, ist das ein starkes Anzeichen dafür, dass dein Gehirn gerade von der Verpackung eingelullt wird. Und nicht, dass die Aussage wirklich klug ist.

Du willst mehr darüber erfahren, wie du zu einer klaren Sprache in deinem Unternehmen kommst? Wie du die heiße Luft aus euren Meetings und Berichten ablässt? Schreibe uns oder buche dir gleich ein kostenloses Beratungsgespräch.

*Shane Littrell: The Corporate Bullshit Receptivity Scale: Development, validation, and associations with workplace outcomes

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0191886926000620

Bereit für bessere Texte?

Buchen Sie jetzt ein kostenloses und unverbindliches Beratungsgespräch.
© 2025 Granatgrün. Alle Rechte vorbehalten.

Newsletter

Alle 14 Tage ein Impuls für Ihre wirkungsvolle Kommunikation

Ihre Daten behandeln wir streng vertraulich gemäß unserer Datenschutzerklärung.