Vor kurzem habe ich, Nadja, mit einem Unternehmen aus dem Bereich IT gearbeitet. Die Leute dort schreiben über sehr komplexe Themen. Daher müssen die Texte besonders klar und verständlich sein – und auf die unterschiedlichen Leser von IT bis CEO abgestimmt.
Zu solchen Texten gelangt man am besten gemeinsam statt allein. So schulen wir die Teilnehmenden unserer Weiterbildungen darin, einander produktives Feedback auf ihre Texte zu geben – der Fachbegriff dafür heißt „Peer Feedback“.
Peer Feedback – Wenn Kollegen sich untereinander Feedback geben
Dieses „Peer Feedback“ wollen wir im Unternehmen verankern. Damit stärken wir langfristig die Schreibfähigkeit der Mitarbeitenden – denn sie entwickeln sich auch noch weiter, wenn die Weiterbildung längst abgeschlossen ist.
Das spart den Unternehmen doppelt Geld: Zum einen brauchen sie weniger Stunden bei uns zu buchen, zum anderen sind die Mitarbeitenden in der Lage, ihr Schreiben stetig zu verbessern. Und das macht Unternehmen erfolgreicher. Denn durch gute Texte gewinnen sie mehr Vertrauen, mehr Kunden, mehr Aufträge.
1. Warum lernen beide Seiten durch Text-Feedback?
Text-Feedback zu geben und zu nehmen, heißt voneinander zu lernen. Durch Feedback wird nicht nur der aktuelle Text besser. Die Person, die den Text geschrieben hat, kann dieses Feedback auch für die nächsten Texte nutzen und sich fortlaufend verbessern.
Gleichzeitig ist es einfacher, Schwächen bei einem fremden Text zu sehen. Wenn man sie dann einmal gesehen hat, steigt die Chance, sie beim nächsten eigenen Text auch zu sehen – und so immer bessere Texte zu schreiben.
2. Wann sollten Sie sich am besten Text-Feedback holen?
Holen Sie sich möglichst früh im Schreibprozess Feedback: Das geht schon mit Ihrer ersten, nur grob geschliffenen Fassung. Der Grund: Sie haben noch nicht so viel Arbeit in den Text gesteckt, Änderungen schmerzen noch nicht so.
Umgekehrt: Je länger Sie das Feedback herauszögern und hier und da noch feilen, umso mehr sträuben wir uns gegen Änderungsvorschläge. Also: Frühzeitig raus mit dem Text. Denn früher oder später soll er ja sowieso von jemandem gelesen werden, oder?
3. Wer ist die richtige Person, um Ihnen Feedback auf Ihren Text zu geben?
Nicht jede Person ist die ideale Feedback-Geberin. Es braucht eine Person, die einem wohlgesonnen ist, aber nicht kritiklos. Eine Person, auf deren Urteil Sie vertrauen.
4. Muss die Person, die Feedback gibt, vom Fach sein?
Das kommt auf die Zielgruppe des Textes an. Möchten Sie einen einfachen, laienverständlichen Text schreiben, dann suchen Sie sich besser eine Person, die nicht vom Fach ist.
Geht es in dem Text um tiefe fachliche Einsichten, dann ist es vielleicht besser, wenn mein Gegenüber die Details versteht.
5. Welche Infos braucht die andere Person, bevor Sie Ihnen Feedback gibt?
Für ein gutes Text-Feedback braucht es ein kurzes Briefing: Wofür ist der Text? Was möchten Sie damit erreichen? Wer soll den Text lesen?
Außerdem sollten Sie klar sagen, wo Sie mit dem Text stehen: Ist es eine Rohfassung oder sind Sie schon kurz vor der Abgabe.
Benennen Sie auch, worauf Sie Feedback haben wollen: inhaltliche Lücken, Verständlichkeit, Struktur, Tonalität oder Grammatik und Rechtschreibung?
Je mehr Kontext Sie liefern, umso besser passt das Feedback zu Ihrem Stand des Textes.
6. Wie viel Zeit müssen Sie für Feedback einplanen?
Wie viel Zeit es genau ist, hängt von der Länge des Textes ab. Und davon, wann die andere Person für den Text Zeit hat. Ausreichend Zeit.
Hektisch zwischen Tür und Angel gibt es kein gutes Feedback. Es braucht die Zeit, um den Text in Ruhe zu lesen, sacken zu lassen und darüber nachzudenken.
Setzen Sie den Feedback-Geber unter Zeitdruck, bekommen Sie vermutlich nur ein schnelles „Ja, ja, passt schon!“ Das ist nicht das, was den Text und Sie als Schreibende voranbringt.
7. Warum Sie einen Termin fürs Feedback-Geben ausmachen sollten?
Ein Zeitplan gibt Orientierung. Die feedback-gebende Person weiß, wann sie den Text bekommt. So kann sie sich die Zeit für das Feedback in ihren Arbeitsablauf einplanen.
Außerdem weiß sie, bis wann sie das Feedback abgeben muss, damit der Autor, die Autorin weiterarbeiten und ihren Abgabetermin einhalten kann.
8. Was macht gutes Feedback aus?
Gutes Feedback benennt starke und schwächere Stellen im Text konkret. Schwammiges Feedback wie „Du holst zu weit aus“ bringt niemand weiter. Daher ist es wichtig, immer um konkrete Textstellen zu bitten, an denen deutlich wird, was der Feedbackgebende meint.
Dazu gehört auch, einen konkreten Vorschlag zur Verbesserung zu machen.
9. Was gilt es noch zu beachten?
Zunächst: Resprektieren Sie die Mühe Ihres Gegenüber. Das heißt zum einen, Sie lesen Ihren Text vorher selbst noch einmal gegen – nicht perfekt, aber ohne vermeidbare Fehler.
Zum anderen heißt es: Sie nehmen das Feedback ernst. Sie müssen nicht alles übernehmen, aber sollten stets prüfen: Ist dieser oder jener Punkt berechtigt? Trägt er zur Verbesserung meines Textes bei?
Sie wollen professionelles Feedback auf Ihre Texte? Oder wollen mehr darüber erfahren, wie Sie selbst besseres Feedback geben oder Peer-Feedback in Ihrem Unternehmen verankern können? Lassen Sie uns unverbindlich darüber sprechen.
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