Am 9. August war wieder „Tag der Buchliebhaber“. Ich wette, Sie gehören auch zu dieser Gruppe?
Ein schöner Anlass, Ihnen von meiner Sommerlektüre zu erzählen. Denn das Lesen guter Bücher ist gut fürs Gehirn, hilft uns, besser zu schreiben – und macht einfach Freude. Wir hatten dazu vor ein paar Wochen im Blog geschrieben.
Hier meine aktuellen Top-5-Bücher:
1. Rachel Kushner: „See der Schöpfung“
Eine Agentengeschichte der anderen Art, witzig und ironisch. Die amerikanische Ex-Spionin Sadie wurde von einem anonymen Auftraggeber engagiert: Sie soll sich in Südfrankreich in eine Gruppe von Umweltaktivisten einschleichen, und sie dazu bringen, Straftaten zu begehen.
Dabei stößt Sadie auf Texte eines der Ideengebers der Gruppe. Er entwickelt darin ein erstaunliches Menschenbild, das unsere komplette Zivilisationsgeschichte infrage stellt.
Kushner verbindet gesellschaftlich brisante Themen wie Umweltaktivismus, Zivilisationskritik und die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit miteinander. Das alles liest sich sehr gut weg, was vor allem am lakonischen Ton der Ich-Erzählerin liegt.
2. Anne Weber: „Annette, ein Heldinnenepos“
Ein Epos in Versform? Klingt erst mal anstrengend – liest sich aber überraschend leicht und lebendig. Damit der Rhythmus wirken kann, geht Überfliegen natürlich nicht.
Die Story: Anne Weber erzählt das beeindruckende Leben der Neurologin und Résistance-Kämpferin Annette Beaumanoir, die sich für die Unabhängigkeit Algeriens einsetzt, zu langer Haft verurteilt wird, auf abenteuerliche Weise flieht und schließlich in Algerien das Gesundheitssystem mit aufbaut.
Stilistisch ein Experiment, das sehr gut funktioniert. Anne Weber wurde dafür 2020 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.
3. Anne Applebaum: „Die Verlockung des Autoritären“
Der Titel des Essays klingt nach schwerer Kost. Aber auch dieses Buch liest sich erstaunlich gut. Es ist sehr konkret erzählt, klug analysiert und klar strukturiert. Applebaum zeigt anschaulich, wie Demokratien ins Wanken geraten – und warum kluge Menschen autoritärem Denken verfallen.
Sie nähert sich der Frage über eigene Weggefährten aus Politik, Journalismus und Wissenschaft, die einstmals liberal eingestellt waren wie sie und sich mit der Zeit immer mehr von illiberalen Bewegungen angezogen fühlten – in Polen, Ungarn, Großbritannien oder den USA.
Sie bleibt dabei persönlich und argumentiert gleichzeitig beeindruckend klar. Ein Lehrstück für alle, die komplizierte Inhalte lesbar vermitteln wollen.
Anne Applebaum wurde 2024 für dieses Buch mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.
4. Carolin Kebekus – „Es kann nur eine geben“
Ich liebe Carolin Kebekus als Comedienne! Und jetzt gibt es ein Buch von ihr. Das musste ich natürlich unbedingt haben.
Gelesen habe ich es noch nicht – bin noch an der „Annette“ dran, aber der Klappentext befeuert meine Vorfreude:
„Wohin man auch schaut, immer ist es die eine Frau, die sich durchsetzt. In der Bibel ist es Maria, damit fing das Unheil an. Im Märchen gibt es immer die eine Prinzessin, sehr schön und sehr blöd und leider ist es in neueren Kinderbüchern und im Fernsehen auch nicht besser.“
Mit dieser Prägung entlässt man Frauen ins Leben und wundert sich dann über die Konkurrenz um diese begrenzten Plätze. Dann wird so getan, als wären Frauen von Natur aus eben stutenbissig und selbst schuld an dieser Rivalität.
Carolin Kebekus kommt diesem bösen Spuk auf die Spur. Sie untersucht alte und neue Geschichten, um zu zeigen, wie und warum uns Frauen eingetrichtert wird, dass wir um den einen Platz im Fernsehen, in der Firma, im Karneval usw. konkurrieren müssten.
Klingt vielversprechend, oder?
Das fünfte Buch habe ich bei einer Freundin im Regal entdeckt – und auf meinen Muss-ich-lesen-Stapel gepackt. Es geht dabei um ein Thema, das uns hier im Blog auch schon lange umtreibt. Der Titel hat es in sich, oder?
5. Philipp Sterzer – Die Illusion der Vernunft
Auch hier hat mich der Klappentext sofort gekriegt:
„Corona-Leugner, Klimaskeptiker, alternative Fakten – Wie ist es möglich, dass Menschen felsenfest von Dingen überzeugt sein können, die eindeutig falsch sind? Sind sie einfach nur schlecht informiert oder gar verrückt oder liegt es daran, dass sie gerne nur das glauben, was sie glauben möchten?
Alle Menschen sind irrational – auch die, die von ihrer Rationalität überzeugt sind. Der Neurologe, Psychiater und Hirnforscher Philipp Sterzer erklärt, warum das so ist und welche Schlüsse wir daraus ziehen können. Ein neuer Blick auf subjektives Erleben, soziales Bewusstsein und die Wahrnehmung der Welt.“
Am liebsten würde ich sofort damit anfangen … Wenn ich doch nur den ganzen Tag lesen könnte!
Welches Buch spricht Sie an? Was lesen Sie gerade so? Wir freuen uns auf Ihre Tipps.
Viel Freude beim Lesen!
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