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Werden Lesen und Schreiben bald überflüssig?

„Es ist nicht auszuschließen, dass sich die Schriftsprache als eine Übergangstechnologie in der Menschheitsgeschichte erweisen wird.“
Waaas? Wie bitte? Das kann doch nicht euer Ernst sein.

Doch, das steht tatsächlich in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung* – formuliert von Falk Huettig, Kognitionswissenschaftler am Max-Planck-Institut für Psycholinguistik in Nijmegen, und Morten Christiansen, Psychologe an der Cornell University.

Im Zentrum dieses Artikels steht das Lesen. Das Lesen!

Sprachnachrichten, Videos, Hörbücher, Text-to-Speech – inzwischen gibt es wirklich viele Möglichkeiten, um ganz ohne Lesen durch den Alltag zu kommen.
Doch was heißt dies, einmal radikal zu Ende gedacht – wenn wir nicht mehr (oder kaum noch) lesen?
 
Lesen – (m)eine vernachlässigte Liebe

Zunächst: Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich selbst lese inzwischen auch viel weniger, als ich eigentlich möchte.

Dies ist mir gerade wieder bewusst geworden: Vor drei Wochen habe ich mir ein paar freie Tage gegönnt. Einfach zu einer Freundin: spazieren, reden, lachen. Und endlich mal wieder ein gutes Buch lesen.

Ich liebe es, Bücher zu lesen. Im Alltag bleiben mir dafür aber oft nur zehn Minuten vor dem Einschlafen. Warum ist das so?
Weil ich meist einfach nicht vom Handy loskomme. Muss noch dies „recherchieren“ oder jene Nachricht beantworten, einen Blick in die Wetter-App werfen oder meine Solarbilanz checken …

Mein Kurzurlaub hat mir wieder gezeigt, wie gut mir ausgiebiges Lesen tut – konzentriert um die hundert Seiten am Stück –; wie es mich bereichert und anregt.
Und diese Wirkung ist wissenschaftlich belegt.

Was Lesen in unserem Gehirn bewirkt

Lesen ist eine hochkomplexe Kulturtechnik. Eine Meta-Analyse von 163 Studien zeigt: Lesen verändert unser Gehirn. Es stärkt die Verbindungen zwischen den Hirnregionen und hält unser Denken flexibel.

Wir erweitern durch Lesen nicht nur unsere Sprachkenntnisse. Lesen wirkt sich auch auf viele weitere Funktionen unseres Gehirns aus.

Jedes Mal, wenn wir einen Text lesen, erkennt unser Gehirn die W visuell, entschlüsselt und verarbeitet sie. Es verknüpft diese neuen Informationen mit unserem bestehenden Wissen, verbindet unsere Neuronen, lässt die verschiedensten Gehirnareale zusammenarbeiten.

Lesen stärkt unser Abstraktionsvermögen, unser analytisches Denken und unser Gedächtnis. Wer viel liest, erkennt Muster schneller, reagiert flüssiger im Gespräch und benennt Farben, Formen und Objekte sicherer. Und ist im Alter sogar besser vor Demenz geschützt – weil das Gehirn aktiv gehalten wird.

Nach Falk Huettig erkennen wir sogar Gesichter besser, wenn unsere Lese- und Schreibkompetenz stark ist.

Anspruchsvolle Texte zu lesen, ist somit wie ein Krafttraining für unser Gehirn.

Lesen – eine Fähigkeit in Gefahr

Obwohl Menschen in Deutschland ab zehn Jahren durchschnittlich 27 Minuten täglich lesen – digital oder gedruckt –, zeigen aktuelle Studien ein deutliches Gefälle: Vor allem junge Männer lesen kaum noch, während Rentner:innen mit Abstand am meisten lesen.

Besonders alarmierend sind die Ergebnisse der international vergleichenden Studie des PIAAC 2023 der OECD.**

Demnach erreichen rund zwanzig Prozent der Erwachsenen in Deutschland nur die unterste Lesekompetenzstufe. Mit Mühe können sie einfache Sätze lesen und eine Banküberweisung machen – aber das Infoband an der Anzeigetafel auf dem Bahnsteig läuft für sie schon zu schnell durch.

Natürlich ist es da gut, dass wir inzwischen Text-to-Speech-Programme haben, dass Texte einfach vorgelesen werden, dass wir Sprachnachrichten versenden können. So können auch Menschen, die schlechter lesen können, kommunizieren und teilhaben.

Und gleichzeitig führt dies dazu, dass immer mehr Menschen schlechter lesen können.

Warum es einen Unterschied macht, ob wir lesen oder nur sprechen und hören

Zwar werden beim Lesen und beim Hören ähnliche Gehirnareale aktiviert, ein wesentlicher Unterschied ist jedoch unsere Konzentration.

Beim Lesen sind wir konzentrierter. Das Gehirn hat zudem mehr zu tun: Es muss die abstrakte Form der Buchstaben zu Silben und Worten zusammensetzen.
Studien haben auch gezeigt: Gelesenes erinnern wir besser als Gehörtes. Vermutlich weil unser Gehirn dabei aktiver ist.

Parallel dazu beobachten Forschende: Der sogenannte Flynn-Effekt – der jahrzehntelange Anstieg der Intelligenz – kehrt sich seit etwa zwanzig Jahren in vielen westlichen Ländern um. Die durchschnittliche Intelligenz nimmt ab.

Falk Huettig sieht hier einen Zusammenhang: Wer weniger liest, trainiert sein Gehirn weniger. Und Künstliche Intelligenz, so praktisch sie oft ist, verschärft diese Entwicklung – wenn wir ihr das Denken überlassen.

Lesen macht uns intelligenter – und hilft auch beim Schreiben

Lesen hilft beim Schreiben. Und Schreiben hilft beim Denken.

Gerade in Zeiten von KI ist komplexes und kritisches Denken DIE menschliche Fähigkeit, die dafür sorgen wird, dass wir alle morgen noch gebraucht werden.

Häufig braucht es noch etwas mehr als viel zu lesen, um gut und strukturiert zu schreiben:

Wenn Ihnen der Einstieg schwerfällt, wenn Ihre Gedanken nicht in Fluss kommen oder Sie zwar viel zu sagen haben, aber nicht wissen, wie Sie es auf den Punkt bringen – dann brauchen Sie eine gute Begleitung.

In unserem kostenlosen Beratungsgespräch schauen wir gemeinsam: Wo stehen Sie? Was brauchen Sie? Und wie kommen Sie schneller und leichter zu besseren Texten?


 

 Quellen
* https://www.sueddeutsche.de/wissen/lesen-lesekompetenz-bildung-iq-lux.JdmPKh3p6w63E59EPcL6Xi
**https://www.gesis.org/piaac/piaac-2023-ergebnisse

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