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Wie Sie Falschaussagen effektiv widerlegen: Das Wahrheitssandwich

Haben Sie auch den Eindruck immer öfter mit Falschaussagen konfrontiert zu werden? Sie kennen sich in Ihrem Fachgebiet aus und auf einmal behauptet jemand etwas komplett Abstruses?
Das können und wollen Sie natürlich nicht stehen lassen, schreiben dagegen an: XY ist falsch. YZ ist richtig. Und sind damit voll in die Verstärkungsfalle getappt. Statt die Fehlinformation klar und deutlich zu widerlegen, haben Sie sie im Kopf Ihres Gesprächspartners, Ihrer Leserin verstärkt.

Wie kann das sein? Die Verstärkungsfalle ergibt sich aus dem so genannten Primacy-Recency-Effekt oder auch dem seriellen Positionseffekt. Was ist das?

Was Sie zuerst nennen, bleibt im Gedächtnis – der Primacy-Effect

Die meisten Menschen erinnern sich an die ersten und die letzten Positionen einer Liste besser als an die Punkte in der Mitte. Das heißt: Das, was Sie in einem Text zuerst und zuletzt nennen, bleibt besser im Gedächtnis als das, was in der Mitte Ihres Textes steht.

Der Primacy-Effekt wurde von dem Psychologen Solomon Asch in den 1940er Jahren nachgewiesen. Er gab Probanden zwei inhaltlich identische Charakterbeschreibungen einer Person. Dabei änderte er nur die Reihenfolge, in der die positiven und die negativen Eigenschaften präsentiert wurden. Bei der ersten Beschreibung waren die negativen Eigenschaften der Person zuerst genannt und dann die positiven; bei der zweiten Beschreibung wurden die positiven Eigenschaften vor den negativen genannt.

Obwohl es im Grunde die gleiche Charakterbeschreibung war, bewerteten die Probanden, die zuerst die positiven Eigenschaften gelesen hatten, die Person positiver. Die, die zuerst die negativen Eigenschaften gehört hatten, bewerteten die Person hingegen negativer. Asch erkannte: Es war überwiegend nur das im Gedächtnis geblieben, was zuerst genannt wurde.

Das lässt sich nun übertragen, wenn Sie versuchen, jemanden zu überzeugen: Stellen Sie sich vor, Sie möchten jemanden überzeugen, warum ein Tempolimit sinnvoll ist. Dann bringen Sie am besten zuerst alle Argumente dafür und erst danach die Argumente dagegen. Viele werden sich anschließend überwiegend an die Pro-Argumente. (Wenn Sie jemanden überzeugen wollen, dass ein Tempolimit nicht sinnvoll ist, dann machen Sie es natürlich umgekehrt.)

Warum das so ist? Für den Primacy-Effekt gibt es mehrere Erklärungsansätze

Möglicherweise liegt es daran, dass unser Gehirn Neues liebt. Was also zuerst kommt, wird als neu wahrgenommen, aktiviert daher das Gehirn stärker und wird damit besser erinnert. Alles, was folgt, ist nicht mehr ganz so neu.

Eine andere Erklärung ist: Unsere Konzentration lässt einfach mit der Zeit nach und wir nehmen das was zuletzt genannt wurde nicht mehr so wahr wie das was zuerst genannt wurde.

Es kann aber auch sein, dass das, was zuerst kommt, einfach den Ton setzt, für alles, was folgt. Das heißt: Wir setzen das Erstgenannte als Referenz und bewerten alles im Vergleich dazu (der so genannte Anker-Effekt).

Was Sie zuletzt bringen, bleibt im Gedächtnis – der Recency-Effekt

Was? Habe ich oben nicht genau das Gegenteil dargelegt? Ja, habe ich. Es kann nämlich auch gelten: Das, was Sie zuletzt gesagt oder geschrieben haben, bleibt am besten im Gedächtnis. Warum? Weil es eben das Letzte war und damit noch frischer im Gedächtnis.

An das zuletzt Genannte erinnert man sich vor allem, wenn man sich durchgehend konzentriert. Bei besonders anspruchsvollen Themen kann es eher sein, dass man sich an das Letzte besser erinnert – weil es eben zuletzt kam und somit frischer im Gehirn ist.

Primacy-Recency-Effekt – das Wahrheitssandwich oder Falschaussagen nachhaltig widerlegen

Beide Effekte können Sie für sich nutzen, um Falschaussagen zu widerlegen: mit dem Sandwich of Truth, dem Wahrheitssandwich. Das Konzept hat der Linguist George Lakoff entwickelt.

Wie funktioniert es?
1.      Beginnen Sie mit dem, was wahr ist. Legen Sie also die Fakten korrekt dar.
2.      Erklären Sie dann die Fake News, die Lüge, die Falschaussagen.
3.      Wiederholen Sie, was wirklich der Fall ist.

Ein konkretes Beispiel:

Atomenergie ist eine sehr teure, umweltgefährdende Energieform. Sie funktioniert nur unter passenden klimatischen Bedingungen und ist angesichts der Klimaveränderungen, die wir erleben, alles andere als „versorgungssicher“. (1. Wahrheit)

Die Atomkraftbefürworter behaupten jedoch: Atomenergie sei versorgungssicher, da sie im Gegensatz zu Sonnen- oder Windenergie unabhängig vom Wetter sei. (2. falsche Behauptung)

Dass dies nicht stimmt, zeigt Frankreich. In Frankreich mussten im vergangenen Sommer Atomkraftwerke heruntergefahren werden, da die Flüsse, die für das Kühlwasser sorgten, entweder zu warm oder gar ausgetrocknet waren. Daher musste Frankreich Strom importieren. In Zukunft wird das Klima in Europa immer heißer und vermutlich auch trockener werden. Das zeigt, wie wenig zukunftssicher Atomenergie ist. (3. Wahrheit wiederholt)

Im Wahrheitssandwich packen Sie also die Aussage, die Sie widerlegen wollen, in die Mitte; eingepackt zwischen den wahren Aussagen. Denn durch den Primacy-Recency-Effekt erinnern sich Ihre Leser am besten an das, was am Anfang und was am Ende stand. Und dazwischen liegt das, was Sie widerlegen wollen und woran man sich also nicht so gut erinnern sollte.

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