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Claude markiert Text mit einem Wasserzeichen

Seit dem 2. August gilt in der EU die Kennzeichnungspflicht, unter anderem für KI-generierte Texte. Zeitgleich mit der Kennzeichnungspflicht KI-generierter Inhalte hat Anthropic angekündigt, dass seine KI Claude von nun an alle ausgegebenen Texte mit einem Wasserzeichen versieht.

Durch dieses Wasserzeichen wird der Text als von Claude generiert erkennbar. Allerdings nur, wenn man das passende Programm hat.

Der entscheidende Punkt aber: Das Wasserzeichen lässt sich nicht entfernen.

Denn es ist kein integriertes unsichtbares Zeichen, das durch Copy & Paste in ein reines Textprogramm oder durch Abtippen verschwinden würde. Nicht mal durch leichtes Überarbeiten lässt sich das Wasserzeichen entfernen.

Das Wasserzeichen ist der Text selbst. Die Wortwahl, die die KI trifft.

Was kannst du gegen das Wasserzeichen von Claude tun? Das Einzige, was das Wasserzeichen entfernen würde, wäre, den Text noch einmal von Grund auf zu überarbeiten und dabei Struktur, Wortwahl und Formulierungen komplett zu verändern.

Anders formuliert: Das Einzige, was du gegen das Wasserzeichen von Claude tun kannst, ist: den Text selbst zu schreiben.

Aus unserer Sicht nicht das Schlechteste, sondern eher das Beste. Denn Schreiben erleichtert dir auch das Denken. Indem du selbst schreibst, entwickelst du nicht nur deine Fähigkeit weiter, deine Gedanken klar auszudrücken; du wirst auch besser darin, kritisch zu denken. Eine der Future Skills, die dir in Zukunft deinen Job sichern werden, wenn alle anderen ihre Denkfähigkeit an die KI ausgelagert haben.

Doch Achtung: Auch wenn du deinen Text selbst geschrieben hast und ihn nur zum Überarbeiten und Feinpolieren durch Claude schickst, bekommt er dieses unsichtbare Wasserzeichen verpasst. Und ist damit als KI-generiert gekennzeichnet.

Wer jetzt denkt „Dann lasse ich meine Texte von jetzt an eben durch eine andere KI erstellen“, hat Pech: Auch die anderen KI-Unternehmen haben bereits Wasserzeichen angekündigt.

Wie funktioniert das Wasserzeichen von Claude?

LLMs haben keine Ahnung von der Welt. Sie berechnen nur, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein nächstes Wort (bzw. Token) kommt.

Angenommen, es gibt Wörter, die in etwa gleich wahrscheinlich als nächstes Wort kommen können, wie in diesem Beispiel:

Der Kaffee ist …

Der Satz könnte nun mit heiß, warm, kalt, stark, schwach, bitter, süß oder aromatisch weitergehen. Alle dieser Wörter würden gleich gut passen und den Satz sinnvoll weiterführen.

Anthropic hat diese gleich wahrscheinlichen Wörter nun in verschiedene Kategorien einsortiert: Nehmen wir an, heiß, warm, stark, bitter wurden der Kategorie grün zugeordnet, kalt, schwach, süß, aromatisch sind rot. Der Schlüssel, welches Wort welcher Kategorie zugeordnet ist, ist geheim.

Die KI wird darauf programmiert, wenn Wörter in gleicher Wahrscheinlichkeit gewählt werden können, Wörter aus einer bestimmten Kategorie zu bevorzugen.

Sie würde also zum Beispiel deutlich mehr rote Wörter benutzen, als es der Fall wäre, wenn ein Mensch den Text schreiben würde. Bei diesem würden grüne und rote Wörter vermutlich etwa gleich häufig im Text auftauchen.

Bei einem einzelnen Absatz könnte ein deutlicher Überhang von roten Wörtern möglicherweise noch Zufall sein. Nicht jedoch, wenn sich dieses Muster durch den ganzen Text zieht.

Ein Mensch bemerkt beim Lesen nicht, dass im Text deutlich mehr Wörter einer bestimmten Kategorie genutzt wurden. In unserem Beispiel also rote Wörter. Schließlich wohnen die Kategorien „grün“ und „rot“ den Wörtern nicht natürlicherweise inne. Sie wurden von Anthropic zugeordnet. Und nur Anthropic hat den Schlüssel dazu, welche Wörter es welcher Kategorie zugeordnet hat.

Der Text könnte für den Wasserzeichen-Detektor in etwa so aussehen:

Warum baut Claude ein unsichtbares Wasserzeichen ein?

Wäre das Wasserzeichen sichtbar und würden Menschen es beim Lesen ohne Detektor erkennen, so würden vermutlich weniger Menschen Claude nutzen. Schließlich möchten die wenigstens, dass es offensichtlich ist, wenn sie mit KI schreiben.

Für Schulen, Universitäten, aber auch Verlage hingegen könnte es trotzdem nützlich sein. Diese können – sobald sie das passende Detektor-Programm haben – prüfen, ob ein Text mit KI geschrieben wurde.

Für die EU-Kennzeichnungspflicht ist ein unsichtbares Wasserzeichen jedoch sinnlos. Schließlich soll ja deutlich erkennbar sein, was KI-generiert ist. Was also steckt dahinter?

Warum werden auch Texte mit einem Wasserzeichen markiert, die nur von der KI poliert werden?

Ich sehe aktuell zwei mögliche weitere Gründe. – Und bin gespannt, wie du das siehst.

Erstens: Die KI-Firmen möchten durch die Markierung vermutlich einen Model Collapse verhindern

Inzwischen sind über 50 Prozent der Texte im Internet KI-generiert. Das hat schwere Folgen für die KI-Firmen selbst. Denn ihre Modelle beziehen viele ihrer Trainingstexte aus dem Internet.

Doch es hat sich herausgestellt: Wenn KI mit KI-Texten trainiert wird, kommt nach wenigen Trainingsrunden völlig unverständliches Zeug heraus. Das ist ein bisschen wie bei Inzucht. Wenn der Gen-Pool schrumpft, werden genetische Fehler nicht mehr ausgeglichen. Das Modell bricht zusammen.

Durch das Wasserzeichen kann die KI erkennen, dass es sich um einen KI-Text handelt und diesen für ihr Training ausschließen. Und sich weiter auf die Suche nach menschlichen Texten machen.

Menschliche Texte werden damit umso wertvoller.

Meine These: Wer langfristig mit seinem Unternehmen sichtbar bleiben will, also von Google gefunden und KI-Tools zitiert werden will, muss (wieder) auf von Menschen geschriebene Texte setzen. Denn sonst zieht die KI an einem vorbei – und Google auch.

Zweitens: Werfen die KI-Firmen schon mal ein Handtuch auf die Texte – für die spätere Nutzung?

Was ist mit den Ideen und Inhalten in den Texten, die das Wasserzeichen tragen? Hätte die KI-Firma, auch wenn sie die Ideen vielleicht nicht ganz als eigene erklären kann, die Rechte, sie zu nutzen?

Könnte das Wasserzeichen vor Gericht als Argument dienen: „Wir hatten da eh‘ schon unsere Hand im Spiel, also können wir es auch nutzen“? Ohne Urheberrechtsklagen befürchten zu müssen.

Was kannst du also gegen das Wasserzeichen von Claude tun?

Offen gesagt: Nichts. Außer deinen Text selbst zu schreiben oder so weit zu überarbeiten, dass du ihn auch hättest komplett selbst schreiben können.

So weit so gut. Das sind meine Gedanken zum Wasserzeichen von Claude. Wie siehst du das? Diskutiere dazu gerne mit mir auf LinkedIn. (Und falls wir noch nicht vernetzt sein sollten: Jetzt ist der Moment.) Hier geht es zu meinem Profil: https://www.linkedin.com/in/nadja-buoyardane/

Was noch?

Du hast Informatik, Technik, Wirtschafts- oder Naturwissenschaften als Hintergrund und sagst dir: „Schreiben ist einfach nicht mein Ding?“ Dann bist du bei uns genau richtig. In unserem Blog-Artikel erzählen wir warum.

Du kommst ohne Vorlage von der KI nicht ins Schreiben, verzweifelst in X Feedbackrunden oder willst einfach generell wissen, wie man leichter und effizienter schreibt? Schreib uns oder mach ein unverbindliches Gespräch mit uns aus.

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