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Richtig beim Schreiben vorgehen: entdecken oder planen?

Vermutlich hast du in der Schule gelernt: Plane deinen Text, bevor du mit dem Schreiben beginnst. Schreibe zuerst eine Gliederung und dann formuliere sie aus. – Das sei das richtige Vorgehen beim Schreiben.

Und: Wenn du Glück hattest, konntest du auf diese Weise (gut) schreiben.

Wenn dieser Weg für dich eigentlich nicht gut passt, hast du dich in der Schulzeit vielleicht gequält, um deine Texte doch auf diese Weise hinzubekommen. Vielleicht hast du während der Klausur zuerst deinen Text geschrieben – und dann in den letzten fünf Minuten die Gliederung rausgezogen.

Gemerkt hat das vermutlich niemand. Doch da wir in unserer Gesellschaft planvolles Vorgehen so schätzen, hast du möglicherweise das Gefühl gehabt: Ich mache beim Schreiben irgendetwas falsch.

Ohne deinen Lehrern zu nahe treten zu wollen: Wahrscheinlich haben sie dir nicht gesagt, dass es mehrere Wege zum Text gibt – und nicht nur den einen „richtigen“.

Manche Menschen planen vor dem Schreiben den kompletten Text durch, andere entwickeln ihren roten Faden erst beim Schreiben. Wieder andere fangen einen Text von vorne an und schreiben ihn bis zum Ende linear durch. Oder sie schreiben hier mal ein paar Sätze, dort mal ein paar Sätze und arbeiten sich patchwork-artig durch den Text.

Jeder dieser Wege hat Vor- und Nachteile. Und doch sind alle Wege richtig – sofern sie am Ende zu einem abgabefertigen Text führen.

Wie solltest du beim Schreiben vorgehen? Wie es für dich und den Text passt

Wie wir zu unserem bevorzugten Weg beim Schreiben gekommen sind? Meist durch Zufall. Ein Teil hängt mit unserer Persönlichkeit zusammen, ein Teil damit, dass es vermutlich das Vorgehen war, mit dem wir zum ersten Mal zu einem abgabereifen Text gelangt sind.

Wenn wir aber nur einen Weg kennen, glauben wir oft, es gäbe keinen anderen. Und wir glauben, alle anderen gingen ebenso vor wie wir selbst.

Doch irgendwann kommen die meisten an einen Punkt, an dem sie beim Schreiben mit ihrer bisherigen Vorgehensweise nicht mehr weiterkommen. Das kann daran liegen, dass dieses Vorgehen nicht zur geforderten Textsorte passt. Oder wir versuchen, mit anderen im Team zu schreiben und da prallen unterschiedliche Arbeitsweisen aufeinander.

Expertinnen und Experten, die sich mit Schreibforschung beschäftigen, unterscheiden verschiedene Schreibstrategien. Jeder Mensch hat eine bevorzugte Strategie.

Du kennst sicher den Spruch: Wenn wir nur einen Hammer haben, sieht jedes Problem wie ein Nagel aus. Doch manchmal passt draufhauen einfach nicht, da braucht es vielleicht eine Zange oder einen Schraubendreher.

Auch beim Schreiben ist es wichtig, mehrere „Werkzeuge“ im Kasten zu haben. Denn so kannst du die Nachteile einer Strategie mit den Vorteilen einer anderen ausgleichen.

Wie gehst du beim Schreiben vor? Mach den Test

Willst du wissen, welchen Weg du beim Schreiben gehst? Mach‘ doch mal den Test.

  • Mache für jede Aussage, in der du dich wiedererkennst, einen Strich auf einem Stück Papier.
  • Zähle anschließend, wie viele Fragen aus Block A du für dich mit Ja beantwortest und wie viele Fragen aus Block B.
  • Am Ende erfährst du, welche Schreibstrategie du bevorzugst, welche Vor- und Nachteile diese hat und wie du die Nachteile deiner Strategie ausgleichst.

Ab hier geht es los:

A

1) Ich habe immer schon alle Ideen für den Text im Kopf, bevor ich anfange zu schreiben.

2) Ich grenze mein Thema recht schnell ein, habe dann aber manchmal das Gefühl, dass es nicht genug Substanz hat.

3) Vor dem Schreiben entwickle ich eine möglichst detaillierte Gliederung für meinen Text.

4) Meist zögere ich den Schreibbeginn so weit wie möglich hinaus, selbst wenn ich bereits eine Gliederung habe.

5) Beim Schreiben arbeite ich die Gliederung Punkt für Punkt ab.

6) Meine ursprüngliche Gliederung ist fast immer auch die endgültige.

7) Ich komme beim Schreiben häufig ins Stocken, weil ich das Gefühl habe, meine Gedanken nicht treffend formulieren zu können.

8) Während des Schreibens entwickle ich selten neue Ideen.

9) Ich überarbeite meinen Text nicht noch einmal von Grund auf, sondern nur sprachlich.

10) Auch in anderen Bereichen arbeite ich gerne strukturiert und nach Plan. Häufig lege ich Listen an, die ich Schritt für Schritt abarbeite.

B

1) Die Ideen für meinen Text entwickle ich zum großen Teil beim Schreiben. So erschließe ich mir das Thema.

2) Ich tue mich oft schwer damit, mein Thema einzugrenzen.

3) Ich entwerfe vor dem Schreiben keine (detaillierte) Gliederung, sondern entwickle sie beim Schreiben.

4) Ich schreibe gern schnell drauflos und schaue, was dabei herauskommt.

5) Manchmal komme ich beim Schreiben weit vom Thema ab.

6) Es kommt oft vor, dass ich meine Gliederung noch einmal komplett umstelle.

7) Ich kenne das Gefühl, im Schreibfluss zu sein und nicht mehr aufhören zu können.

8) Schreiben ist für mich nicht nur ein Mittel, um mich mitzuteilen, sondern um nachzudenken.

9) Ich überarbeite meine Texte oft grundlegend neu oder schreibe mehrere Versionen eines Textes.

10) Auch sonst arbeite ich gerne spontan, was von außen manchmal als „chaotisch“ angesehen wird. Ich probiere Dinge gerne praktisch aus.

Hast du mehr Fragen bei A oder bei B zugestimmt? Oder hält es sich die Waage?

Zunächst: Die meisten Menschen bewegen sich irgendwo dazwischen mit der Tendenz in eine Richtung.

Was heißt das Ergebnis nun für dich? Wie gehst du beim Schreiben vor?

Du hast mehr A-Fragen zugestimmt? Glückwunsch! Du gehst planend vor

Du bist eine Planerin, ein Planer. Das heißt, du durchdenkst deinen Text, bevor du anfängst zu schreiben. Wenn du noch keine Struktur hast, fällt dir das Schreiben schwer. Anders gesagt: Du beginnst mit der Gliederung – und formulierst diese dann aus.

Die Vorteile, die planendes Schreiben mit sich bringt

  • Du arbeitest übersichtlich und strukturiert.
  • Du läufst weniger Gefahr abzuschweifen.
  • Du kannst unter Zeitdruck einen strukturierten Text schreiben.
  • Du weißt genau, was du noch zu schreiben hast.
  • Du hast während des Schreibens den roten Faden für deinen Text.
  • Du kannst gut mit anderen im Team schreiben, da klar ist, wer welche Inhalte abdeckt.
  • Du musst deine Texte meist nicht mehr in der Struktur überarbeiten.

Die Nachteile, die planendes Schreiben mit sich bringt

  • Wenn du vor dem Schreiben noch keine Ideen hast, was du aussagen und wie du deinen Text gliedern willst, kommst du nicht ins Schreiben.
  • Du beginnst erst spät mit dem Schreiben, weil du erst einmal eine detaillierte Gliederung entwerfen und das Schreiben planen musst.
  • Es fällt dir schwer zu erkennen, wann es Zeit ist, ins Schreiben zu starten. Du feilst lieber noch ein wenig an der Gliederung.
  • Du entwickelst kaum neue Ideen während des Schreibens.
  • Steht der Plan für den Text einmal, fällt es dir schwer, diesen noch einmal zu ändern.
  • Manche Schreibprojekte sind zu komplex, um sie vor dem Schreiben komplett zu durchdenken.

Du hast mehr B-Fragen zugestimmt? Glückwunsch! Du gehst entdeckend vor

Startschwierigkeiten kennst du beim Schreiben vermutlich kaum. Dir liegt es, gleich drauflos zu schreiben. Deine Ideen und die Struktur deines Textes entwickelst du währenddessen.

Die Vorteile, die entdeckendes Schreiben mit sich bringt

  • Du schreibst deine Ideen gleich auf. So gehen sie nicht verloren.
  • Du entwickelst beim Schreiben neue Ideen.
  • Du entdeckst das Thema schreibend für sich.
  • Beim Schreiben wird dir selten langweilig.
  • Du kannst schnell die ersten Ergebnisse deiner Arbeit sehen. Das motiviert.
  • Du hast unter Zeitdruck schnell einen ersten Text zu Papier gebracht. Auch wenn dieser noch nicht abgabereif ist, hast du immerhin etwas vorzuweisen.

Die Nachteile, die entdeckendes Schreiben mit sich bringt

  • Es besteht die Gefahr, dass du vom Thema abschweifst und dich in deinen Gedanken verzettelst.
  • Du brauchst mehr Zeit für die Überarbeitung deines Textes.
  • Die Struktur des Textes ergibt sich erst während des Schreibens.
  • Du siehst das Ende des Textes nicht.
  • Wenn schnell ein abgabereifer Text entstehen soll, ist Planen die bessere Strategie.

Du hast fast gleich viele As wie Bs? Glückwunsch! Du bist ein Mischtyp

Mit dieser Mischung gleichst du vermutlich schon viele der klassischen Nachteile der jeweiligen Typen aus.

Je nachdem, wo du gerade im Schreibprozess stockst, sollte es dir relativ leicht fallen, auf die jeweils andere Strategie zurückzugreifen.

Wie kannst du die Nachteile deiner Schreibstrategie ausgleichen?

Wie du siehst, beglückwünsche ich dich zu jeder möglichen Schreibstrategie.

Warum? Weil eben alle Strategien Vorteile haben.

Doch wie gelingt es dir, die Nachteile der jeweiligen Strategie auszugleichen? Indem du auf die Vorteile des jeweils anderen Wegs zurückgreifst, wenn du mal nicht vorankommst.

Tipps für planend Schreibende

  • Formuliere bereits deine Gliederungspunkte in ganzen Sätzen.
  • Fange früh mit dem Ausformulieren an, auch wenn die Gliederung noch nicht perfekt ist.
  • Wärme dich mit Freewriting auf
  • Bleibe offen für Ideen. Die Gliederung darf sich jederzeit ändern.
  • Wenn dir Ideen fehlen: Es gibt verschiedene Kreativitätstechniken, die dir beim Schreiben helfen können, Ideen zu entwickeln, wie Freewriting nach Peter Elbow oder Clustern nach Gabriele L. Rico. Baue die Ideen, die du durch die Techniken entwickelst, in die Gliederung deines Textes ein.

Tipps für entdeckend Schreibende

  • Nutze deine Fähigkeit, einfach drauflos zu schreiben, gezielt, um Ideen zu finden und dein Thema weiterzudenken.
  • Versuche, vor dem Schreiben eine grobe Gliederung zu erstellen. Sie muss nicht perfekt ausgearbeitet sein. Doch sie gibt dir eine grobe Richtung vor – damit du dich beim Schreiben nicht verläufst.
  • Setze dir begrenzte Zeitfenster (z. B. 20 Minuten), in denen du frei drauflos schreibst. Anschließend fokussierst du dich wieder.
  • Achte beim Überarbeiten auf Wiederholungen oder weitschweifende Formulierungen.
  • Je stärker der Zeitdruck, umso näher solltest du beim Schreiben bei deiner Gliederung bleiben.

Planend und entdeckend zu schreiben sind die zwei großen Ober-Kategorien, wie du beim Schreiben vorgehen kannst.

Du willst mehr darüber wissen, wie du deine Probleme beim Schreiben überwinden kannst, wie du Reibungsverluste im Schreibprozess minimierst? Vereinbare ein Strategiegespräch mit uns und lass uns darüber sprechen, wie wir dich unterstützen können.

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